Regelenergiemarkt

VIRTUELLES KRAFTWERK.

Eine zentrale Herausforderung der Energiewende besteht darin, das Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung- und Verbrauch stabil zu halten. Nur so ist ein Netzbetrieb möglich. Wegen der schwankenden Stromproduktion in Photovoltaik- und Windenergie-Anlagen steigt der Bedarf an flexiblen Erzeugern und Verbrauchern, die Stromproduktion und Stromverbrauch jederzeit anpassen können.

Zur Steuerung flexibler Erzeuger und Verbraucher etablieren sich zunehmend sog. virtuelle Kraftwerke. Hierbei werden viele kleine Stromerzeugungseinheiten über ein zentrales Leitsystem gebündelt. In der Summe ergibt sich damit ein eigenes (virtuelles) Kraftwerk, welches über eine gemeinsame IT-Verbindung gesteuert wird.

An virtuellen Kraftwerken können sowohl klassische Erzeuger wie KWK-Anlagen und Erdgas-BHKW, als auch Notstrom-Aggregate und Biogas-BHKW teilnehmen. Zunehmend sind virtuelle Kraftwerke jedoch in der Lage, auch Photovoltaik- und Windenergie-Anlagen zu integrieren. Neben Erzeugern lassen sich auch flexible Verbraucher, wie z.B. Power-to-Heat- und Power-to-Gas-Anlagen, virtuell zusammenschalten. Rechtliche Grundlage für die Bildung eines virtuellen Kraftwerks ist eine Vielzahl von Verträgen mit allen Teilnehmern auf Erzeuger- und Verbraucherseite. Darin müssen – angepasst auf den jeweiligen Einzelfall – die Bedingungen für die Steuerung und Vermarktung der Anlagen festgelegt werden.

Eine wichtige Einnahmequelle für virtuelle Kraftwerke ist der Regelenergiemarkt, auf dem die flexible Leistung vermarktet wird. Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber schreiben den Bedarf an Regelenergie (also flexibler Leistung zum jederzeitigen Ausgleich von unvorhergesehenen Fahrplanabweichungen) über die gemeinsame Internetplattform www.regelleistung.net aus. Dabei ist je nach Abrufzeit und Art in positive und negative Primärregelleistung, Sekundärregelleistung und Minutenreserveleistung zu unterscheiden.

Virtuelle Kraftwerke profitieren vom Regelenergiemarkt.

Um am Regelenergiemarkt teilnehmen zu können, ist ein umfangreiches Präqualifikationsverfahren u.a. nach dem TransmissionCode 2007 durchzuführen. Neben dem IT-Sicherheitskonzept kommt es dabei besonders auf ein schlüssiges Besicherungskonzept für unvorhergesehen Ausfälle an, gerade für erneuerbare Stromerzeugungsanlagen. Daneben sind die gesetzlichen und behördlichen Vorgaben der Bundesnetzagentur zu beachten.

Neben dem Regelenergiemarkt übernehmen virtuelle Kraftwerke auch die Direktvermarktung des von ihren Teilnehmern erzeugten Stroms. Für die geförderte Direktvermarktung nach dem EEG sind dabei die Anforderungen der §§ 20 ff. EEG 2017 zu beachten. Für Biogas-BHKW besteht dabei mit dem Flexibilitätszuschlag und der Flexibilitätsprämie nach § 50a und § 50b EEG 2017 eine weitere Einnahmequelle.

Die zukünftige Entwicklung von virtuellen Kraftwerken hängt entscheidend von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Vor allem das Strommarktdesign 2.0 und das KWKG 2017 haben starke Auswirkungen auf das Geschäftsmodell.




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Dr. Max Peiffer

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DEZENTRALE ENERGIE.