Mieterstrom

DEZENTRALE ENERGIE.

Lösungen zur dezentralen Energieversorgung leisten einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende, da sie das allgemeine Leitungsnetz entlasten. Ein Beispiel hierfür sind sog. Mieterstrom- bzw. Quartierstrom-Modelle, bei denen Mehrfamilienhäuser oder auch ganze Siedlungsblöcke den Großteil des eigenen Strombedarfs vor Ort in eigenen Anlagen (BHKW und/oder Photovoltaik-Anlagen) erzeugen.

Nur wenn in Spitzenzeiten der Strombedarf durch haus- bzw. vierteleigene Anlagen nicht gedeckt werden kann, wird zusätzlich Strom aus dem allgemeinen Versorgungsnetz bezogen. Der vor Ort erzeugte Mieterstrom ist wesentlich billiger, weil er deutlich weniger durch Stromnebenkosten belastet ist.

Die Kostenreduktion betrifft zum Beispiel die EEG-Umlage. Nach § 61b EEG 2017 ist in Mieterstrommodellen eine (teilweise) Befreiung von der EEG-Umlage möglich. Dies kommt auch dann in Betracht, wenn ein Dritter (etwa ein Energieversorger) die Mieter-Stromanlage errichtet und deren technische Betriebsführung übernimmt. Erforderlich ist in diesem Fall eine spezielle vertragliche Regelung für das Zusammenspiel aller Beteiligten. Vor allem muss über einen Anlagen-Pachtvertrag sichergestellt sein, dass die Mieter das wirtschaftliche Risiko des Anlagenbetriebs tragen und damit unter die Eigenversorgungsregelung des EEG fallen.

Deutlich geringere Stromnebenkosten für lokal erzeugten Strom.

Zusätzlich kann der Mieterstrom nach § 9 StromStG von der Stromsteuer befreit werden. Auch hier ist eine Stromerzeugung durch Dritte möglich. Allerdings ist darauf zu achten, dass bestimmte von der Finanzverwaltung aufgestellte einschränkende Anforderungen für den Weiterverkauf des Stroms an den Letztverbraucher eingehalten werden.

Schließlich lassen sich Netzentgelte einsparen, soweit der Strom nicht durch das allgemeine Versorgungsnetz geleitet wird. Damit entfallen auch die Konzessionsabgabe, die KWKG-Umlage, die Umlage nach § 19 Abs. 2 StromNEV, die Offshore-Haftungsumlage nach § 17f EnWG sowie die Umlage für abschaltbare Lasten nach § 18 AbLaV.

Im Ergebnis bieten geschickt gestaltete Mieterstrom-Modelle erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Zu deren Umsetzung sind maßgeschneiderte Vertragswerke erforderlich, auf deren Grundlage sich das dargestellte Wertschöpfungspotential nutzen lässt. Weitere Spezialfragen ergeben sich bei der Abwicklung der Lieferungen. So ist etwa auf die ordnungsgemäße Stromkennzeichnung und Abrechnung nach dem EnWG zu achten (vgl. § 42 EnWG).

Entscheidend für die Anerkennung des Mieterstrom-Modells gegenüber dem vorgelagerten Verteilnetzbetreiber ist aber das Messkonzept. Mieter, die nicht am Mieterstrom teilnehmen möchten, müssen stets die freie Wahl des Energieversorgers haben. Dies ergibt sich aus den Vorgaben für eine Kundenanlage i.S.v. § 3 Nr. 24a EnWG. Einzige Alternative zu einer Kundenanlage ist der Betrieb eines geschlossenen Verteilernetzes gem. § 110 EnWG. Dies wird jedoch nur in Einzelfällen ein gangbarer Weg sein.




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Dr. Lukas Assmann

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